Bewusstheit

Sechs bis acht Mal in der Minute, also ca. alle zehn Sekunden, verlieren wir unsere Aufmerksamkeit, unseren Fokus, wir tauchen ab … aber wohin?

95% der Zeit sind wir auf Autopilot … irgendwo im Unbewussten. Die Psychologie nennt es Trance. Wir erledigen Dinge automatisiert, unreflektiert, wir verlassen uns auf ein Programm, agieren funktional, robotergleich und somit auch unachtsam.

Aber nur wenn wir aufmerksam sind, sind wir wirklich präsent und können achtsam sein.

Wenn wir zu 95% auf unbewusstem Programm laufen, dann wird der Körper gleichsam zu unserem Mind. Zu einer Denkschleife.

Das Unbewusste speist sich aus Vergangenem und Künftigem, aus unserer Geschichte und der Projektion auf das Morgen. In diese Mixtur aus Rückblick und Antizipation mischen sich gewohnte, verdrängte, auch unterdrückte Gefühle, Wünsche, Befürchtungen, Zweifel, Ängste, Denk- und Fühlgewohnheiten.

Der Erinnerungsmodus ist eindeutig der Spitzenreiter. Sehr häufig bedient sich das Unbewusste aus altbewährten Programmen. So befinden wir uns also die meiste Zeit in der Vergangenheit, wir käuen wieder. Kein Wunder, wenn da nichts neues passiert. Denn wenn der Kopf in der Vergangenheit lebt, dann stellt sich der Körper automatisch darauf ein. Du kennst das, der Procrastinator denkt, ach ja, das tue ich morgen, und der Körper fühlt sich automatisch entspannt. Jetzt lässt ihn kein Impuls der Welt, kein Feuer aufspringen und loslegen. Chillen bleibt das Programm.

Bleiben wir im altbewährten, sicheren Raum, dem Raum der Komfortzone und Gewohnheit, dann laufen wir mit kostenloser App ein müheloses Wiederholungsprogramm.
Das Programm der Vergangenheit. Denn über 90 %unseres Verhaltens ist erinnertes Verhalten.
Das sieht dann so aus: Unbewusste Gedanken erwecken unbewusste Erinnerungen. Mit diesen treffen wir eine unbewusste Wahl, die am Ende der Schleife wieder zu unbewussten Erfahrungen führt. Diese Erfahrungen führen zu altbekannten Emotionen und diese bestätigen unsere Identität, unsere Persönlichkeit. Und unsere Persönlichkeit macht unsere Realität. So sind wir … glauben wir, letztendlich.

Veränderung hingegen braucht ein hohes Maß an Bewusstheit. An Achtsamkeit. Laufen wir auf Autopilot, ist die Bewusstheit im Tiefschlaf. Nur wenn etwas Außer-gewöhnliches passiert, werden wir aus diesem Programm herausgerissen. Wir wachen auf. Dieses Aufhorchen oder Aufwachen wird getriggert bei Fehlern, Überraschungen und Katastrophen. Läuft alles paletti, nach Plan, bleiben wir größtenteils unbewusst.

Oder aber wir erwecken uns selbst in die BEWUSSTHEIT. Wissenschaftlich gesprochen, erreichen wir den Status der Metakognition.
Unsere Bewusstheit sitzt im Frontallappen unseres Gehirns. Dieser Teil des Neokortex macht knapp 40 % des Hirns aus und ist Sitz der individuellen Persönlichkeit. Hier befindet sich die Fähigkeit zur Eigenwahrnehmung.
In der Eigenwahrnehmung werden wir Beobachter unseres Selbst, heißt, wir können prüfen, ob unsere Gedanken wirklich wahr sind. Ob sie Antwort sind auf eine reale Situation, oder ob das, was wir fühlen, nur eine Erinnerung ist.

Im Wort Bewusstheit steckt Wissen, aber wieviel hat Bewusstheit nun mit Wissen zu tun, oder gar Denken?
Beides steht der Bewusstheit oft sogar im Weg. Denn das Denken ist auch nur ein Programm, dem folgend, was schon mal gedacht wurde, von uns oder von anderen. Es ist, ähnlich wie unsere Gefühle, meist konditioniert.

Und Wissen ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ein kostbarer Erfahrungsschatz, der uns Leitfaden ist für die Zukunft. Andererseits kann Wissen auch blockieren und die Sicht einschränken auf ein ganz anderes Sehen, auf andere Perspektiven. So ist auch die Wissenschaft häufig nur eine der möglichen Perspektiven, denn auch sie stützt sich auf Zahlen, Daten und Fakten der Vergangenheit. Beweise und Auswertungssysteme sind hier das A und O.

Natürlich gibt es aufgrund von Bruchteilen einer hundertstel Sekunde gar kein wirkliches Hier und Jetzt. Wenn wir JETZT etwas fühlen oder wahrnehmen, ist es im Prinzip aufgrund der Kette der Abläufe im Reizübertragungs-Prozess abgelaufen, schon wieder vorbei, eine Art Reiz-Erinnerung. So viel zum Hier und Jetzt, wenn man es penibel betrachtet.

Auf der anderen Seite ist der Begriff Zeit auch eine Betrachtung wert. Kosmisch betrachtet die vierte Dimension, als Verbindung von Raum und Zeit. Auf der anderen Seite behauptet die Physik, alles passiert gleichzeitig …
Dass wir mal festgelegt haben, wie lang Zeiteinheiten sind, heißt nichts … subjektiv betrachtet, geht die Zeit mal schneller, mal langsamer vorbei. In der Verhaltens-Psychologie unterscheidet man die Begriffe mit und durch die Zeit … was wiederum erklärt, warum manche Menschen unpünktlicher sind als andere …
Veränderung wird häufig als Zeitindex gedeutet. Zeit ist vergangen, wenn Veränderung eingetreten ist … siehe JahresZEITEN …

Was wissen wir, wessen sind wir uns bewusst?
Wenn wir unsere Realität im Programm ablaufen, dann ist sie nicht objektiv stattfindende Realität.

Wenn aber Realität nur über Bewussten manifestiert werden kann, gibt es sie ohne Bewussten im Umkehrschluss überhaupt? Ist das nun wiederum Mindfuck oder bedenklich?

Wenn Bewusstheit zur Beobachterin, zum Adler wird, der aus Entfernung mit Argusaugen späht, mit Reflexion aus einer Art Metaposition, die uns beim Denken, Fühlen und Tun beobachtet, dann gelingt es, das gewöhnliche Wissen von Bewusstheit zu trennen.

Diese Art Dissoziation muss eine Besondere sein, eine, die sowohl als auch kann, beobachten und gleichzeitig erleben. Denn es gilt ja nicht abzutrennen, das wäre Verlust des Fühlens, des Menschlichen … dann nur Brain, nur Big Brother. Nein, eine Verbindung zwischen beobachten und gleichzeitig fühlen, denken und erleben ist der wertvolle Aspekt der Bewusstheit. Das meint Achtsamkeit.
Wir geben Acht, wir beobachten, was sich da in uns auftut, aufsteigt, um die Wahl zu haben, was wir damit tun … eine echte Wahl, die sich auf das Hier und Jetzt bezieht, nicht auf ein Programm, eine Wahl, sich bewusst selbst zu führen. Im Selbst-Bewusst-Sein zu wirken.

So können wir uns auch verbinden mit höherem Bewusstsein … dem Wissen, der Energie außerhalb uns Selbst. Dem Makrokosmos. Dem gesamten Meer aller Möglichkeiten, das ebenfalls Bewusstheit ist.
Die Quantenphysik sagt, die Umgebung ist eine Erweiterung unseres Bewusstseins. Und wenn du dein Mind verändern kannst, dann kannst du dein Bewusstsein verändern.

Wir können uns vernetzen, bewusst. Heißt, wir sind bereits auch unbewusst vernetzt, nur machen sich viele Menschen diesen Vorteil nicht zunutze. Wird Realität nicht wahrgenommen – wir haben diese Phänomene im Bereich von Farben und Tönen, die für das menschliche Auge und Ohr nicht wahrnehmbar sind – denken wir, sie ist nicht da, nicht existent. Bestimmte Tiere treten dann in diesem Fall den Beweis an und reagieren und beweisen, dass diese Farben und Töne nur für uns Menschen nicht da, wahrnehmbar und somit existent sind.
Über Sinn, Verstand und in Bewusstheit können wir jederzeit Informationen aus dem Kosmischen Meer der Möglichkeiten herunterladen. Wir können uns die allgegenwärtige Energie über unsere Bewusstheit zunutze machen, wir können bewusst damit arbeiten. Dies hilft in Bezug auf Heilung, Selbst- und Fremdheilung, und es hilft beim Selbstcoaching im Ermöglichen von visionären Zielen.

In Bewusstheit und Fokussierung imaginieren wir, sprich, wir sehen ein Ereignis, einen Zustand, ein Ziel. Jetzt können Kräfte wirken, ein energetischer Sog entsteht, die Dinge bilden sich kraftvoll und klar ab. Eine Energetisierung auf unser Ziel wird nun möglich. Dies ist auch eine Leistung unseres Bewusstseins.

Über unsere Sinne, mit offenem Herzen und freiem Kopf können wir ungetrübt Informationen aufnehmen. Wenn wir den Sinnen lauschen … schafft es unsere Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt. Nun sind wir präsent und können mit bewusster Wahrnehmung beobachten, was die Außenwelt in unserer Innenwelt auslöst, mit welchen Gedanken und Gefühlen wir reagieren und antworten.

Kleine Übung:

Setze oder lege deinen Körper bequem ab, so dass du ungestört entspannen kannst. Imaginiere einen bekannten oder gewünschten Ort, an dem du möglichst alle Sinneswahrnehmungen entstehen lassen kannst: ob es die sich in der Sonne spiegelnde Wasseroberfläche ist, das Windes-Rauschen, Vogelgezwitscher, Sonne oder Wind auf deiner Haut. Konzentriere dich auf alle wahrnehmbaren Impulse deiner fünf Sinne … mache diese Reise existent … und spüre, welches Gefühl sich einstellt und was es für dich tut.

Oder, dieselbe entspannte Position: Du achtest und lauschst, was jetzt in diesem Moment da ist, außerhalb deines Selbst. Nehme alle Geräusche, Gerüche etc. wahr und beobachte, was diese in dir auslösen. Beobachte, was du in dir selbst wahrnimmst, auf physischer, geistiger und emotionaler Ebene. Welche Gedanken und Gefühle tauchen auf, welche sind von Gewicht oder Bedeutung … und was haben sie mit deinem unmittelbaren Hier und Jetzt zu tun?

Sonja Schmidt